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Im 6. Teil des Bibelworkshops “Auf der Suche nach Gott” ging es darum, dass wir wie die Beröaer eine gewisse Offenheit gegenüber (vertrauenswürdigen) christlichen Lehrern haben sollten, wenn wir Gott (noch besser) kennen lernen wollen. Jedoch sollte man durchaus auch kritisch sein und das Gelehrte hinterfragen (dürfen). So sollten auch wir in der Bibel nachprüfen, ob dass was uns gesagt wird auch stimmig ist.

Im nun 7. und letzten Teil des Bibelworkshops stellen wir uns nochmal die Frage: Ja, aber wer ist denn nun Gott und wie kann ich ihn (noch besser) kennen lernen?

Dazu lesen wir eine Stelle aus dem sog. Johannes-Evangelium:

„Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Joh 1,18/EÜ)

  • Was heißt das im Klartext?

Bislang hat niemand Gott selbst gesehen (Er ist ja schließlich auch unsichtbar).

Hierzu sagte einer der Kirchenväter (siehe Catena Aurea):

Offensichtlich wird zu verstehen gegeben, daß, solange man hier auf sterbliche Weise lebt, Gott nur durch gewisse Bilder gesehen werden kann; im wirklichen Aussehen seiner Natur kann er nicht gesehen werden; daher kann die Seele, die von der Gnade des Geistes erfüllt ist, Gott nur durch bestimmte Bilder sehen, aber zur Macht seines Wesens gelangt sie nicht. (Gregor der Große)

Dennoch gibt bzw. gab es einen Menschen, der „am Herzen des Vaters ruht“ und uns Gott bekannt gemacht hat.

Wer ist nun dieser Mensch und was bedeutet der etwas rätselhafte Ausdruck „am Herzen des Vaters ruht“?

Der Mensch war Jesus von Nazareth (siehe die kurze Anmerkung zu Joh 1,1 und Joh 1,14 im vorigen Teil des Bibelworkshops bzw. die Erläuterungen im Folge-Workshop).

Was es bedeutet „am Herzen (bzw. „im Schoße“) des Vaters zu ruhen“ erläutert ein weiterer Kirchenvater (siehe Catena Aurea):

Er fügte noch etwas anderes an, indem er sagte: „Der im Schoße des Vaters ist“; denn im Schoße zu verweilen ist viel mehr als nur einfach zu sehen; denn wer einfach sieht, der hat überhaupt keine Erkenntnis von dem, was er sieht; wer aber im Schoß verweilt, der wird alles wissen. Wenn man also hört, daß keiner den Vater kennt außer der Sohn, so darf man keineswegs sagen, daß er zwar den Vater mehr kennt als alle, aber ihn doch nicht in seiner ganzen Größe kennt; deswegen sagt der Evangelist, daß er sich im Schoße seines Vaters befindet, damit wir nicht glauben, daß dadurch etwas anderes ausgedrückt sei als die gleiche Verbundenheit und Mitewigkeit des Einziggeborenen mit dem Vater. (Chrysostomus)

D.h. Jesus kennt Gott (, den Vater) nicht nur viel besser als wir, sondern er kennt in praktisch durch und durch.

Wenn wir Gott, der unsichtbar ist, kennen lernen wollen, dann können wir das am Einfachsten, indem wir Jesus kennen lernen. Denn er war ein Mensch wie wir und lehrte von Gott wie kein anderer. Noch dazu lebte er auch genau das, was er selbst lehrte. Somit können wir an seiner Person Gott selbst erkennen. Wir sehen durch ihn aber nicht nur Gott, Jesus selbst IST auch Gott (aber dazu später mehr).

Damit wären wir erstmal am Ende unseres Bibelworkshops „Auf der Suche nach Gott“ angelangt. Noch haben wir Gott aber noch nicht wirklich gefunden.

  • Wie geht es also weiter? Wo sollen wir anfangen?

Lesen wir dazu noch eine Stelle aus dem Johannes-Evangelium:

„Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,30-31/EÜ)

Das Johannes-Evangelium wurde also geschrieben, damit  wir zum Glauben an Jesus, den Sohn Gottes kommen können UND, dass wird durch ihn DAS Leben haben. Gemeint ist das wahre, ewige Leben. Und genau das erhalten wir auch, wenn wir Gott gefunden haben. Dazu muss man jedoch zunächst zum Glauben an Jesus, den Messias (d.h. Gesalbten) kommen. Und dazu wiederum, ist es hilfreich, wenn man das Johannes-Evangelium liest.

Deshalb werden wir uns im nächsten Bibelworkshop gemeinsam durch das Johannes-Evangelium arbeiten und in die Tiefen und Höhen des christlichen Glaubens vorstoßen.

Lasst Euch überraschen!

Update: Mittlerweile (nach 5 Jahren Pause!) habe ich die Pläne für die Fortsetzung des Bibelworkshops geändert. Statt das Johannes-Evangelium zu studieren, werden wir durch die komplette Bibel gehen, angefangen mit der Erschaffung der Welt!

Im 5. Teil des Bibelworkshops “Auf der Suche nach Gott” haben wir die Bekehrungsgeschichte des Schatzmeisters aus Äthiopien behandelt. Wir haben gesehen, dass eine lernbereite Grundhaltung wichtig ist, um Gott zu finden. Und man braucht i.d.R. auch einen christlichen Lehrer, der einem die Bibel erklären kann.

Das heißt aber nicht, dass wir die Bibel nicht selbst für uns lesen und einfach nur alles glauben sollen, was uns andere erzählen. Wir dürfen und sollen alles nachprüfen, was uns gelehrt wird (soweit das möglich ist). Das verhindert (möglicherweise), dass man falschen Lehren aufsitzt und schafft zudem eigene Überzeugungen. Hierzu gibt es auch ein Beispiel aus der Bibel.

Zweite Missionsreise des Apostel Paulus

Zweite Missionsreise des Apostel Paulus (© Tyndale House Publishers)

Auf seiner zweiten großen Missionsreise kam der Apostel Paulus nach Thessalonich, der damaligen Hauptstadt Mazedoniens. Die dort wohnenden Juden wiegelten jedoch das Volk gegen Paulus und seinen Mitarbeiter Silas auf, so dass sie sofort nach Beröa weiter zogen, das etwa 100km weiter westlich lag:

„Die Brüder schickten noch in der Nacht Paulus und Silas weiter nach Beröa. Nach ihrer Ankunft gingen sie in die Synagoge der Juden. Diese waren freundlicher als die in Thessalonich; mit großer Bereitschaft nahmen sie das Wort auf und forschten Tag für Tag in den Schriften nach, ob sich dies wirklich so verhielte. Viele von ihnen wurden gläubig, und ebenso nicht wenige der vornehmen griechischen Frauen und Männer.“ (Apg 17,10-12/EÜ)

  • Was können wir von den Juden in Beröa lernen?

Zunächst einmal waren sie gegenüber Paulus und Silas freundlich und nicht feindselig gesinnt. Die Juden dort hörten Paulus und Silas erstmal an, bevor sie sich ein Urteil bildeten. Es macht auch wenig Sinn, sich von Leuten den christlichen Glauben erklären zu lassen, wenn man überhaupt kein Vertrauen zu ihnen hat.

Weiterhin lasen die Leute in Beröa all das, was ihnen Paulus erzählte in der Bibel (damals das Alte Testament) nach. Sie prüften, ob Paulus die Wahrheit sagte und das Ganze überhaupt Sinn machte.

Manche Menschen glauben, dass man, um an Jesus Christus glauben zu können seinen Verstand abschalten müsse. Dem ist aber nicht so. Der menschliche Verstand ist gut und wurde uns von Gott gegeben, damit wir ihn benutzen. Das unterscheidet uns auch von den Tieren, die lediglich einen Instinkt haben.

Jesus wird in der Bibel übrigens auch als „Logos“, griechisch für „Wort“, „Verstand“, „Vernunft“ bezeichnet (siehe z.B. Joh 1,1 und Joh 1,14).  Das ist ein Hinweis auf Gottes eigenen Verstand, der jedoch den unsrigen im unvorstellbaren Maß übersteigt.

Man kann seinen Verstand für Gutes wie für Schlechtes einsetzen. Wenn wir Gott finden bzw. ihn immer besser kennen lernen wollen, müssen wir natürlich unseren Verstand für das Gute einsetzen.

Machen wir es also wie die Beröer und nutzen unseren Verstand, um zu unterscheiden, was richtig und gut bzw. was falsch und böse ist.

Nicht umsonst heißt es in der Bibel:

„Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1. Thess 5,21/EÜ)

Hier geht es weiter zum 7. und letzten Teil des Bibelworkshops.

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